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5 Tage in den peruanischen Anden – Camino del Apu

5 Tage in den peruanischen Anden – Camino del Apu

4 June 2018

Tag 1: Erste Impressionen

Die Strecke in Richtung Chillca kannte ich schon. Einige Tage vor der großen Tour, dem „Camino del Apu“, durfte ich mir die erste der vier Eco-Lodges anschauen und einige Einheimische aus den Dörfern Chillca und Osefina kennenlernen.

Was ich auf der Strecke noch nicht kannte war Checacupe und seine Kirche. Eine in die Jahre gekommene Kirche mit wirklich schönen Gemälden an den Wänden. Gerade dass man die Spuren der Zeit sehen konnte, machte diese Kirche für mich besonders.

Von Checacupe aus ging es dann weiter in Richtung Chillca. Aber bevor wir uns für den ersten Teil der 5-tägigen Wanderung bereit machten, wartete an einem ruhigen Fleckchen, umgeben von Eukalyptusbäumen, das Mittagessen auf uns. Was die Köche von Andean Lodges mitten im Nirgendwo zaubern können ist beeindruckend. Zusätzlich zu dem Mittagessen gab es eine Menge Kokablatttee. Denn wir stiegen allmählich in noch höhere Gegenden auf. Kokablatttee oder auch das Kauen von Kokablättern soll gegen die Höhenkrankheit vorbeugen, an welcher man ab einer Höhe von 2.500 m erkranken kann. Aufgrund dessen, dass ich schon drei Monate in Cusco auf einer Höhe von 3.400 m wohnte, empfand ich keinerlei Anzeichen der Höhenkrankheit.

Nach dem Mittagessen ging es mit dem Sprinter noch ein Stück weiter. Wir wurden an einer Straße (eher ein Schotterweg) herausgelassen und unser Abenteuer fing nun richtig an.

Der erste Tag sei entspannt versicherte mir unser Guide Jesús und auch Juan Carlos, der Manager von Andean Lodges, stimmte zu. Nun gut, dann glaubte ich das einfach mal.

Zuerst überquerten wir einen kleinen Bach und stiegen dann einige Meter bergauf. Ich merkte, dass die Luft nochmal wesentlich knapper ist als in Cusco. Und dort wurde meine Atmung schon schwerer wenn ich Treppen hinaufstieg. Wir waren nun auf etwa 4.290 m, der Hike heute hatte nur etwa 3,5 km und war somit für den Einstieg perfekt. Nach der kurzen Steigung ging es den Bach zwischen Felsen entlang in Richtung der riesigen Weideflächen vor der „Chillca Lodge“. Als wir die offene Fläche erreichten, hörten wir es hinter den Bergen schon grummeln. Sehr laut grummeln! Ich empfand dies als etwas  beunruhigend, denn ich wanderte schließlich auf offener Wiese, welche unter Wasser stand, mit Wanderstöcken in der Hand. Optimal vorbereitet für ein dickes Anden-Gewitter. Ich schien aber die einzige zu sein, alle anderen strahlten nach wie vor eine absolute Ruhe aus. Dies beruhigte mich wiederum etwas und schließlich war die erste Lodge schon in Sicht. Wir kamen, Gott sei Dank, trockenen Fußes dort an. Auf 4.350 m verbrachten wir also die erste Nacht.

Zum Empfang gab es für jeden ein paar Lammfellpantoffeln, sehr bequem und warm und bei dem kalten Boden absolut nützlich.

Wir bezogen fix unser Zimmer und sammelten uns dann unten mit einer Tasse Mate de Coca vor dem Kamin, während es draußen schüttete. Die Stimmung war gut und wir lernten uns alle erst einmal ein bisschen kennen. Wir waren eine relativ bunt gemischte Gruppe. Sechs Leute aus Lima, der Manager von Andean Lodges (Juan Carlos), ein in Cusco lebender deutscher Tourguide (Jan) und ich, eine Tourismusstudentin aus Bremen, mit einer großen Leidenschaft für Peru. Diese Leidenschaft sollte sich trotz der anstrengenden, aber wunderschönen Tour noch verstärken.

In den Lodges gibt es keinen Strom und so wurde die gemütliche Stimmung mit Kerzenlicht unterstrichen. Langsam kroch uns der Geruch des Abendessens in die Nasen. Während wir gemütlich vor dem Kamin saßen und redeten, waren die Jungs aus der Küche schon äußerst fleißig. So gut es roch, so lecker war es auch.

Die Jungs haben es einfach drauf und durch Gespräche während meiner Praktikumszeit weiß ich, dass sie wirklich viel Spaß an ihrer Arbeit haben und Andean Lodges wirklich dankbar sind. Andean Lodges arbeitet mit den beiden Gemeinden Chillca und Osefina zusammen. Sie sind Teilhaber der Firma und werden in ihrer traditionellen Lebensweise unterstützt. Durch Andean Lodges wird eine gute Ausbildung, ob zum Koch, Housekeeper oder Guide, gewährleistet. Auch die Traditionen wie die Lama- und Alpakazucht, sowie die Handwerkskunst können durch Andean Lodges erhalten bleiben. Wieso? Das erkläre ich im Laufe des Berichts.

Zurück in die überaus gemütliche Lodge. Nach dem Abendessen ging es relativ schnell ins Bett, die Höhe machte doch müde. Es gab noch ein kleines Konzert der Einheimischen.

Im Zimmer lag dann Schokolade auf dem Kopfkissen, aber noch besser… die Wärmeflasche, die bereits das Bett wärmte. Die Nacht war angenehm, nicht so kalt wie ich erwartet hatte, was vielleicht auch an den dicken Daunendecken lag.

 

Tag 2: Auf dem Weg zur Machuracay Lodge

Um 6 Uhr wurden wir von zärtlichem Gesang der Mädels geweckt. So habe ich bisher noch keinen Tag gestartet, man könnte sich daran gewöhnen.

Am Frühstückstisch angekommen war ich überwältigt von der Auswahl der Früchte. Zusätzlich gab es noch leckeres, süßes Quinoa.

Nach dem Frühstück ging es dann raus, es gab eine kleine Präsentationsrunde, jeder stellte sich mit einem kurzen Satz vor. Danach ging es dann zu den Lamas. Diese wurden mit unserem Gepäck beladen. Hier komme ich zum Thema „Lamazucht“ zurück. Lamas werden in den Anden seit Jahrhunderten als Transportmittel genutzt. Sie können bis zu 20 Kilo tragen. Diese Tradition droht leider langsam zu verschwinden. Durch Andean Lodges kann diese Kultur aber weiterhin gelebt werden. Die Lamas waren also für unser Gepäck zuständig, wir trugen lediglich unseren Tagesrucksack, worüber ich wirklich sehr froh war.

Vor Aufbruch bekamen wir noch ein Lunch-Paket und los ging es. Die erste Teilstrecke, flaches Weideland. Mein Gedanke: „Wenn das so bleibt, dann ist ja alles gut.“ Aber es ging daraufhin natürlich direkt bergauf, so leicht war das dann gar nicht mehr. Ich wünschte mir zu dem Zeitpunkt nichts sehnlicher, als mich auf unser Begleitpferd zu setzen und die Landschaft ohne laufen zu müssen genießen zu können. Habe es aber auf Grund meines kleinen Kampfgeistes doch nicht gemacht. Zusätzlich wurde ich von dieser wirklich beeindruckenden Aussicht motiviert. Meine Gruppe? Zog fröhlich plappernd an mir vorbei. Ich? War zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr so fröhlich. Mir fiel es echt schwer weiter bergauf zu laufen. Der Herr mit dem Pferd hinter mir, seine Name ist Victor, eine Engelsgeduld, er bildete das Schlusslicht, damit bloß keiner verloren geht. Das wäre in dem Fall wohl ich gewesen. Er fragte mich fröhlich, ob er mir meinen Rucksack abnehmen kann, mein Stolz war mal wieder zu groß und ich verneinte.

Endlich sah ich die Hütte für die Mittagspause, ich freute mich auf die Stärkung. Es fing an zu hageln, natürlich bevor ich die Hütte erreichen konnte. Und es war mir herzlich egal. In der Hütte wurde ich fröhlich von den anderen begrüßt. Ich war schon jetzt so kaputt, dass ich still mein Essen genoss.

Nach dem Mittagessen in dem Haus eines Einwohners ging es dann weiter. Inzwischen hatte es aufgehört zu hageln, aber die Sonne ließ sich auch nicht blicken, so verschmolz das weiß/grau der Wolken mit dem Schnee der Berge und die Sicht war eingeschränkt. Der weitere Weg zur zweiten Lodge, der Machuracay Lodge auf 4.815 m war im Nachhinein betrachtet ein Kinderspiel. Währenddessen musste ich aber mal wieder mit mir selber kämpfen. Juan Carlos blieb ganz geduldig in meiner Nähe, während ich einen Fuß vor den anderen setzte. Irgendwann drehte er sich um und sagte, dass der schlimmste Teil jetzt erst komme. Alles klar, ich war kurz davor zu resignieren, als ich die Lodge hinter seinem Rücken sah. Auf einmal setzte sich ganz automatisch ein Fuß vor den anderen und ich hatte endlich den Kopf dafür frei das schöne Bild des Ausangate zu bestaunen. Die Lodge ist direkt an seinem Fuße gebaut.

Ich hatte es geschafft, ich war zufrieden mit mir. So konnte ich die letzten Meter zur Lodge glücklich im Schnee zurücklegen.

Nach einer warmen Dusche sammelten wir uns alle wieder mit Mate de Coca vor dem Kamin. Es war so gemütlich. Langsam verzogen sich die Wolken, passend zum Sonnenuntergang. Dieser war so hoch oben wunderschön. Mit Lamas und Pferden im Vordergrund vor den mächtigen Bergen der Anden.

…Fortsetzung folgt…

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